Tilsit (Sovjetsk)

1406 bis 1409 erbauten die Ordensritter an der Mündung der Tilse in die Memel im prussischen Gau der Schalauer eine Burg als Grenzfeste gegen die Litauer. 1552 verlieh Herzog Albrecht von Brandenburg Tilsit das Stadtrecht.

Tilsit hat im April 1945 schwere Bombenangriffe erlitten, bei denen 50 % der Bauten zerstört wurden. Heute gehört die Stadt zur russischen Exklave Königsberg und hat rund 40.000 Einwohner.

Der Freiheitsdichter Max von Schenkendorff (1783-1817) ist in Tilsit geboren. Auch der als „Hauptmann von Köpenick“ bekannt gewordene Schuster Wilhelm Voigt stammt aus Tilsit.

Bekannt geworden ist die Stadt vorallem durch zwei Dinge: den Tilsiter Käse und den Frieden von Tilsit.

Genau genommen stammt der Käse gar nicht aus Tilsit, sondern aus Milchbude/Plauschwarren (Jovaryne), auf der anderen Seite der Memel zwei Kilometer nördlich von Tilsit im heutigen Litauen. Dort übernahm eine aus Tilsit stammende Frau Westphal 1845 eine Käserei und begann mit der Herstellung einer neuen Käsesorte. Das Rezept stammte von „Schweizern“, die sie aus der Schweiz geholt hatte. Dies hat mir ein anwesender Übersetzer für Russisch-Deutsch erklärt.

Auf seinem Rußland-Feldzug hatte Napoleon 1807 bei Friedland an der Alle und bei Preußisch-Eylau das preußische Korps und das Heer der Russen geschlagen. Es kam zum Waffenstillstand und dann zu Friedensverhandlungen, die auf zwei Flößen mit Holzhäuschen auf der Memel vor Tilsit stattfanden. Am 7. Juli wurde der Friedensvertrag mit Rußland, am 9. Juli der mit Preußen abgeschlossen. Preußen verlor die Hälfte seines Königreiches, nämlich Magdeburg und alle linkselbisch gelegenen Länder sowie die aus den Teilungen Polens erhaltenen Besitzungen, welche als Herzogtum Warschau an das mit Napoleon verbündete Sachsen kamen. Danzig wurde Freie Stadt mit französischer Besatzung.