Gnesen(Gniezno)

Geschichte

Gnesen ist die älteste Stadt Polens und seine erste Hauptstadt. Seit dem Jahr 1000 ist Gnesen Sitz des ältesten polnischen Erzbistums und Krönungsstadt der polnischen Könige. Lech, der Stammesfürst der Polanen soll hier das Nest eines weißen Adlers (des späteren polnischen Wappentieres) gefunden und beschlossen haben, hier die Haupstadt Polens zu gründen.

Mitte des 10. Jh.s war Gnesen Hauptstadt des Kleinstaates Gnesen. Der Prager Bischof Adalbert (Woyciech), den man aus Prag vertrieben hatte, wollte von Gnesen aus die heidnischen Pruzzen an der Ostsee missionieren, wurde aber 997 von diesen ermordet. Boleslaw I. Chrobry ließ den Leichnam aus dem Benediktinerkloster Termessen, wo Adalbert zunächst begraben worden war, nach Gnesen überführen. Bei seiner Pilgerreise zum Grab des inzwischen heiliggesprochenen Adalbert im Jahre 1000 setzte der deutsche Kaiser Otto III. seinem Gastgeber Boleslaw I. symbolisch ein kaiserliches Diadem auf. Damit signalisierte er die Bereitschaft des Deutschen Reiches, dem Land eine gewisse Autonomie zuzugestehen.

Auf Betreiben des Papstes Sylvester II. errichtete man in Gnesen zunächst das erste polnische Bistum unter Adalberts Bruder Radim. Erst durch die Krönung von Boleslaw Chobry zum König von Polen 1025 wurde die Unabhängigkeit vom Deutschen Reich besiegelt.

Gnesen gehörte von 1793 bis 1920 zu Preußen. Zweimal wurde Gnesen, das 1238 das Stadtrecht erhielt, zerstört: 1038 durch böhmische Truppen unter Fürst Brestislav, der auch die Gebeine Bischof Adalberts vorübergehend nach Prag entführte, und 1331 durch den Deutschen Orden.

Wie andere polnische Städte erlitt Gnesen im Zweiten Weltkrieg große Schäden. Der spätgotische Dom (1542 – 1415), dessen beide Türme von weitem schon zu sehen sind, wurde nach Kriegszerstörung von 1959 bis 1961 wiederhergestellt.

Am Südportal findet sich ein in Polen einmaliges Beispiel romanischer Schmiedekunst, eine Bronzetür zu Ehren des 997 von den Pruzzen umgebrachten Missionars Adalbert von Prag und die erste bildliche Darstellung der Urbewohner Altpreußens, der Pruzzen. Im Dom ist ein Reliquienschrein mit den Überresten des hl. Adalbert in Form eines Sarges, gefertigt vom Danziger Goldschmied Peter van der Rennen, ebenso ein Epitaph für Kardinal Joseph Wyschinski zu sehen. Vor dem Dom steht eine Denkmal Boleslaw I. Chrobry