Elbing (Elblag)

Elbing (127700 Einwohner), die Woiwodschaftshauptstadt, liegt am Fluß Elbing. Elbing ist eines der bedeutendsten industriellen Zentren im Norden Polens; hier gibt es u. a. ein mechanisches Werk (Herstellung von Turbinen, Antriebswellen und Schiffspropellern), Autoarmaturenwerke, Fernheizkraftwerke, eine Brauerei und die Textilwerke »TRUSO«.

Im 9. Jh. befand sich hier die pruzzische Handels-, Hafen- und Handwerkersiedlung namens Truso. Nach der Eroberung der pruzzischen Gebiete durch den Deutschen Orden errichteten die Ordensritter am Fluß Elbing eine Burg. Sie diente als Stützpunkt für die weitere Expansion auf pruzzischem Boden. Die sich an der Burg entwickelnde Siedlung bekam bereits 1246 die Stadtrechte.

Dank der günstigen Lage wurde Elbing bald ein wichtiger Seehafen und Mitglied des norddeutschen Städtebundes, der Hanse.

Bis 1309 war Elbing Sitz des Landesmeisters des Deutschen Ordens. Nach dem Sieg der Ordensritter über Danzig und Pommerellen und nach der Verlegung der Ordensritterhauptstadt nach Marienburg verlor Elbing wirtschaftlich und politisch an Bedeutung. Dazu trug der immer schlechter werdende Zugang vom Meer bei, bedingt durch die Verflachung des Frischen Haffes und das Verschließen der bisher günstigen Durchgangswege durch die entstehende Frische Nehrung.

Nach der Schlacht bei Tannenberg eroberten die Einwohner von Elbing mit eigenen Kräften die Burg, übergaben sie dem polnischen König Jagiello als Geschenk und legten ihm gegenüber den Huldigungseid ab.

1440 trat Elbing dem Preußischen Bund bei; 1454 wurde die Burg von den Elbingern erneut zerstört. In den Jahren 1466 bis 1772 gehörte Elbing zu Polen und wurde während der Herrschaft des Königs Sigismund ein wichtiger Kriegshafen.

Die aufstrebende Entwicklung der Stadt Königsberg und der Wettbewerb mit der sich in günstiger Lage zur Ostsee befindenden Stadt Danzig behinderten die Entwicklung Elbings.

Im 17. und am Anfang des 18. Jh. war Elbing mehrmals von Schweden oder Russen besetzt. Bei der ersten Teilung Polens 1772 fiel die Stadt an Preußen. Sie verlor zahlreiche Privilegien. Einen nennenswerten Aufschwung gab es ab der zweiten Hälfte des 19. Jh., als sich einige Industriebetriebe ansiedelten und die Schiffahrt auf dem Oberländer Kanal eröffnet wurde.

Die St. Nikolai-Pfarrkirche (seit dem 25. März 1992 Kathedrale der Elbinger Diözese) mit ihrem 95 m hohen Turm aus dem 13. bis 15. Jh. Ein Besuch der Kirche wird belohnt durch das gotische bzw. aus der Renaissance stammende Gewölbe, ein gotisches (bronzenes) Taufbecken aus dem Jahre 1387, die gotische Skulptur «Die Kreuzigung« aus den Jahren 1410/14 (ein Werk des Johann von der Matten) und den Hauptaltar mit einem figurenreichen Schnitzwerk, das »Die Anbetung der Heiligen Drei Könige« (1510) darstellt. Die Seitenflügel des Hochaltars beinhalten die Szenen »Verkündigung«, »Anbetung der Hirten«, «Heimsuchung« und »Beschneidung«.

Von Interesse sind das im Jahre 1319 errichtete Markttor (1950 wiederaufgebaut) und die Marienkirche aus dem 13. Jh. Sie wurde aus Trümmern restauriert und enthält heute eine Ausstellung moderner Kunst – die »Galerie EL«. Sehenswert sind auch die Ruinen des Dominikanerklosters aus dem 13./14. Jh. und der Gebäudekomplex des alten Heilig-Geist-Hospitals mit der Heilig-Geist-Hospitalkirche aus dem 13./14. Jh. In ihr ist nach dem Wiederaufbau jetzt die Stadtbliothek untergebracht. Die Fragmente der alten Ordensburg aus dem 13./14. Jh. und die Giebelhäuser im Renaissancestil in der ul. Wigilijana Mostowa und Linki lohnen ebenfalls einen Besuch.