Danzig (Gdansk)

Eine slawische Fischersiedlung an der Stelle des heutigen Langen Marktes wird im Jahre 997 in der Vita des heiligen Adalbert, der auf seiner Mission hierher gekommen war, als Stadt (urbs gyddanzc) erwähnt. Die befestigte Siedlung entwickelte sich dank ihrer Lage an der Bernsteinstraße sehr schnell zu einem Handelszentrum. Sie wurde von slawischen Fürsten regiert, die sich im 13. Jh. als Herzöge von Pommerellen bezeichneten.

Eine im 12. Jh. Von deutschen Kaufleuten, die Handelsverbindungen nach ganz Europa aufbauten, erbaute Siedlung erhielt 1260 vom pommerellischen Herzog Swantopolk lübisches Stadtrecht. Nach dem Aussterben des pommerellischen Fürstenhauses bemühten sich Brandenburg, Polen und der deutschen Ritterorden, das herrenlos gewordene Land im Mündungsgebiet der Weichsel in Besitz zu nehmen. Die Oberhand gewann der Deutsche Orden, der 1308 die Stadt einnahm und der Rechtstadt (Glowne Miasto) das Stadtrecht verlieh. Kaiser, Papst und 1343 auch der polnische König Kasimir erkannten die Besitzrechte des Ordens an.

Der neue Stadtteil vergrößerte sich rasch und entwickelte sich schnell zu dem blühendsten Handelsplatz des Ordenslandes und wurde auch Mitglied der Hanse. Um einer größeren Ausdehnung der Rechtstadt entgegenzuwirken, wurden 1377 auch die Altstadt (Stare Miasto) und 1380 die vom Deutschen Orden gegründete Neustadt (Mlode Miasto) zur Stadt erhoben. Mitte des 15. Jh. brach Danzig mit dem Ritterorden und begab sich – nicht ohne vorher seine eigene Autonomie zu sichern – unter die Schutzherrschaft des polnischen Königs. Im sog. 13-jährigen Krieg 1455 zwischen dem Orden und dem Preußischen Bund, dem Danzig beigetreten war, wurde die Neustadt von den Danzigern zerstört.

Bei der dritten Teilung Polens 1793 kam Danzig zu Preußen. Durch Einwanderungen aus Lübeck, Holstein und Niedersachsen dominierte bald das niederdeutsche Element. Im Jahre 1807 erhielt Danzig von Napoleon den Status einer Freien Stadt, den es 1817 nach langen Kämpfen wieder gegen die Zugehörigkeit zu Preußen eintauschen mußte. In der Hauptstadt der Provinz Westpreußen, zu der Danzig erhoben worden war, blühte Wirtschaft und Verkehr u.a. durch den Ausbau des Hafens erneut auf.

Der Versailler Vertrag erklärte Danzig und das Umland zur ,,Freien Stadt“ bzw. zum ,,Freistaat Danzig“ und unterstellte sie der Kontrolle eines Hohen Kommissars des Völkerbundes. Die Ausgliederung Danzigs aus dem Deutschen Reich und die Schaffung des Polnischen Korridors westlich von Danzig, durch die das Reich den direkten Zugang zu einer seiner größten Provinzen, Ostpreußen, verloren hatte, die Weigerung Polens, Deutschland einen freien Landzugang in Form einer Autobahnverbindung nach Ostpreußen einzuräumen, aber auch ständige Provokationen der Polen, führten schließlich zum Ausbruch des Krieges mit Polen und – als Folge des Beistandspaktes Polens mit Frankreich und England – zum 2. Weltkrieg.

Zu Ende des Krieges, im März 1945 war die Danziger Altstadt zu 90 % zerstört. Das war allerdings nur zum geringeren Teil eine Folge der englischen Bombenangriffe und der Kampfhandlungen. Die weitaus größeren Zerstörungen richteten die Russen nach der Besetzung Danzigs an, indem sie unzählige Häuser nach Vertreibung der Bewohner in Brand steckten.

Die Stadt liegt an der Mottlau und der Mündung Toten Weichsel zwischen der Danziger Bucht und der Kaschubischen Seenplatte. Sie ist neben Stettin und Gdingen der wichtigste Ostseehafen Polens und eine bedeutende Industrie- und Handelsstadt. Sie beherbergt die frühere Lenin-Werft (heute Danziger Werft) und ist die Wiege der ‚Solidarnosc‘, der 1980 gegründeten ersten unabhängigen Gewerkschaft Polens.

Wichtiger See- und Eisenbahnknotenpunkt.

Die Stadt entstand 1924 bis 1939 aus einem kleinen kaschubischen Fischerdorf an dem Polen im Versailler Vertrag zuerkannten schmalen Zugang zur Ostsee (sog. Polnischer Korridor) als einziger Seehafen Polens, um Unabhängigkeit von Danzig zu erlangen.

Heute nach Stettin zweitgrößter Seehafen Polens und Heimathafen der Seereederei der polnischen Ozeanlinien (Polski Linie Oceaniczne) und wichtiger Platz für die Hochseefischerei.

Das mondänste polnische Seebad und Kurort liegt malerisch am Ostseestrand, 10 km von der Danziger Innenstadt entfernt.Hauptanziehungspunkt ist die Mole, die mit 512 m längste Seebrücke des Landes und eine der längsten Europas. Berühmt ist das Grand-Hotel am Strand mit Casino. „Bäder–Architektur“ im Strandbezirk.