Die Wanderdünen von Leba

Die Wanderdünen von Leba

Es gibt keinen zweiten Platz in Europa, wo Küstendünen wandern. Dieses Naturgebilde, ist vor 5000 Jahren aus von den Meereswogen an den Strand gespülten Sand entstanden und wird vom Wind jährlich um beinahe 10 m landwärts verschoben. Dabei handelt es sich nicht um kleine Dünen. Die höchste Wanderdüne, die sich nahe am Meer befindet, ist 42 m hoch (Lacka Gora), die größte Düne dagegen hat eine Fläche von 300 ha, gleicht also dem Gelände mehrerer Hundert großer Sportplätze. Es ist interessant zu betrachten, wie selbst der schwächste Wind charakteristische Falten auf die Dünen zeichnet.

Vom Gipfel der Lontzke-Düne aus hat man einen schönen Blick auf die Ostsee auf der einen und den 76 Quadratkilometer großen Leba-See (Jez. Lebsko) auf der anderen Seite. Diese Düne wandert ständig nach Süden weiter, unerbittlich den Wald unter sich begrabend, wie man dort sehr anschaulich sehen kann. Man ist Zeuge eines Kampfes von Wind und Sand gegen den Wald, der sich in Zeiträumen von Jahrhunderten abspielt. Wer die Kurische Nehrung kennt, die vom Samland im Norden Ostpreußens bis nach Memel verläuft und die Ostsee vom Kurischen Haff trennt, der fühlt sich hier an sie erinnert, wenn auch dort die wandernden Dünen noch höher und weitläufiger sind.

Die vier salzigen Seen: Lebsko, Gardno, Dolgie Wielkie i Dolgie Male – sind eigentlich ehemalige Meeresbuchten, die durch die Nehrung abgetrennt wurden und nur 30 cm über dem Meeresspiegel liegen. Ihr seichtes insgesamt 9800 ha umfassendes Gewässer ist Brutstätte von über 200 Vogelarten.

Die Pflanzenwelt kämpft und lebt mit den Dünen. Unter dem Andrang des Flugsandes sterben Bäume, Sträucher gehen zugrunde, und an ihrer Stelle wachsen Dünenpflanzen. Wenn sich die Dünen in Bewegung setzen, nehmen immergrüne Zwergsträucher (Empetro nigri Pinetum) sofort die freien Plätze ein. Es sind meist Kiefern, die infolge des ständigen Kampfes mit dem Wind merkwürdige, oft phantastische, gespenstische Gestalten annehmen.

Im Sommer erwärmt sich der Dünensand manchmal bis zu einer Temperatur von +60ºC. Bei dieser Hitze gerinnt das Pflanzeneiweiß und die Pflanzen sterben ab. Die toten Dünen beginnen zu wandern und schütten auf ihrem Weg wörtlich alles zu. Zu den Sonderlichkeiten gehört der Anblick eines aus den Dünen herausragenden Kirchturms. Im 18. Jahrhundert haben die Wanderdünen das ganze Dorf Laczki zugeschüttet.

Der Slowinski-Nationalpark – „Besitzer“ dieser außergewöhnlichen Dünen – ist ein Naturschutzpark der Biosphäre. Wenn man eine Wanderung auf markierten Wegen dieses Gebietes plant, muß man unbedingt Süßwasser mitnehmen, denn das Wandern ist hier sehr anstrengend. Jedoch es sich lohnt! Außerdem kann man auf dem Gardno-See segeln, das Freilichtmuseum in Kluki oder eine Ausstellung im Naturkundemuseum von Smoldzino besichtigen und zum Schuß noch einmal von der Aussichtsstelle auf dem Berg Rowokol (115 m) auf die einmalige Landschaft herabblicken.

In den Dünen soll Feldmarschall Rommel mit seinem Afrika-Korps den Wüstenkrieg trainiert haben. Bei Wyrzutnia gab es auch eine deutsche Raketenabschuß-Station.

In Leba fahren Sie die erste Straße, die halblinks abzweigt, am Bahnhof vorbei geradeaus weiter bis zum (bewachten!) Parkplatz Rabka, auf dem Sie das Auto abstellen. Sie gehen um den Parkplatz herum und treffen an einer Betonstraße auf das alte Forsthaus von Rabka. Hier beginnt der Nehrungswald und der Nationalpark (Eintritt 2 PZL). Sie können mit einem Elektrobus (3 PZL je Fahrt) bis zur ehemaligen deutschen Raketen-Abschußstation WYRZUTNIA oder mit einer Kutsche (ca 25 PZL je Fahrt) bis zum Fuß der großen Düne fahren. Sonst müssen Sie etwa 5 km durch den Nehrungswald laufen, um die etwa 40 m hohe Lontzke-Düne zu erreichen. Von der Düne gehen Sie hinunter zur Ostsee, wo Sie kilometerlangen, einsamen Strand zum Baden finden. Zurück zum Parkplatz Rabka können Sie am Strand entlanggehen (6 km). Oder Sie steigen nach ca. 3 km Strandmarsch an der Raketenstation wieder in einen Elektrobus, der Sie zum Parkplatz zurückbringt.