Palmnicken (Jantarni)





Rund 90% aller Bernsteinvorkommen der Welt liegen an der Küste bei Jantarni, der ,,Bernsteinstadt“, ehemals Palmnicken, rund 50 km westlich von Kaliningrad, das jetzt für Ausländer wieder zugänglich ist.

Nach Erschöpfen der Bernsteinvorkommen in Schwarzort auf der Nehrung richtete die Firma Stantien & Becker 1827 bei Palmnicken ein Bernsteinwerk ein. Am Strand von Palmnicken ist in zwei Gruben Bernstein gefördert worden; nur eine ist noch in Betrieb; die andere ist abgesoffen. 1896 nahm man die Grube Anna am Strand von Kraxtepellen in Betrieb. 1913 übernahm der Staat die Förderung. In einer dritten Grube mehrere Kilometer landeinwärts wird Bernstein im Tagebau gefördert. Dazu mußte man erst eine 40 m dicke Tonschicht abtragen.

Auch die Einwohner des Dorfes sind in den letzten Jahren vorn Bernsteinrausch nicht nur wegen der Touristenbusse, die jetzt regelmäßig das Dorf besuchen, ergriffen worden. Am Strand stehen rund um die Uhr etwa zwanzig Bernsteinfischer in gelben Ölmänteln und -stiefeln im Halbkreis um das Abflußrohr der Bernsteinmine. Mit Netzen fischen sie faustdicke Bernsteinstücke aus dem schwarzen Abwasser, das aus dem 40 Zentimeter dicken Rohr schießt. In nur wenigen Stunden fischen die arbeitslosen Dorfbewohner hier Bernsteinstücke im Wert von rund DM 750. Die örtlichen Behörden haben ver­sucht, den Bernsteinrausch mit einer jährlichen ,,Fisch-Lizenz“ von 170.000 Rubel zu kontrollieren, doch ohne Erfolg.

Die Unternehmensleitung des Tagebaus Russky Jantar zeigt sich nicht so sehr besorgt über die Amateurfischer. Ihre Hauptsorge ist der Diebstahl im Werk, das rund 600 Tonnen Bernstein pro Jahr fördert. ,,Rund 30% unserer Produktion, vielleicht sogar mehr“ geht durch organisierten Diebstahl verloren, beklagt der stellvertretende Direktor, Stanislaw Romanow. Der Dorffriede wurde kürzlich sogar durch einen Bandenkrieg um den Bernsteinmarkt gestört.

Im Ort gibt es eine – früher evangelische – Feldsteinkirche, die heute von der orthodoxen Gemeinde genutzt wird.










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