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Die Freie Stadt Danzig (1919 – 1939)
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Der Freistaat
Wappen von Danzig
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Die
Freie Stadt Danzig, die eine Fläche von 1966
Quadratkilometern hatte und 384.000 Einwohner (davon 96 %
deutscher Nationalität) zählte, sollte nach den Art.
100-108 des Versailler Vertrages als unabhängiger Staat
autonom und ein selbständiges Mitglied der
Völkergemeinschaft unter dem Schutz des Völkerbundes
sein. Es sollte nicht unter die Herrschaft Polens kommen und
nicht Teil des polnischen Staates sein. Danzig hatte als
gesetzgebende Körperschaft einen Volkstag mit 120
Mitgliedern. Regierung und oberste Landesbehörde war der
Senat, den der Volkstag wählte, mit einem Präsidenten
und 20 Senatoren. Amtssprache war Deutsch. Danzig hatte eine
Staatsflagge, die auf rotem Tuch zwei übereinander stehende
weiße Kreuze und darüber eine gelbe Krone zeigte. Die
Führung seiner auswärtigen Angelegenheiten jedoch hatte
Danzig an Polen übertragen müssen. Als Vertreter des
Völkerbundes hatte ein Hoher Kommissar seinen Sitz in
Danzig. Seine Aufgabe war die eines Schiedsrichters bei
meinungsverschiedenheiten zwischen Danzig und Polen. Die Rechte
Polens in Danzig waren rein wirtschaftlicher Natur und dienten
nur dem freien Zugang Polens, das ja keinen Seehafen besaß,
zum Meer. Dazu erhielt Polen das Recht neben der Danziger Post
einen eigenen Postdienst im Hafen für den Verkehr zwischen
Polen und Danzig sowie zwischen Polen und dem Ausland zu
unterhalten. Außerdem war die Verwaltung der Eisenbahnen an
die polnische Eisenbahnbehörde übergeben und Polen war
an der Verwaltung des Hafens in einer paritätisch mit Danzig
besetzten Hafenverwaltung beteiligt.
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Die Polnische Post
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An der Gabelung der Mottlau und des Radaune-Kanals – an der Stelle, an der der Deutsche Orden im Jahre 1340 eine Burg gebaut hatte, die von den Danzigern 1454 zerstört wurde – errichtete Polen in Übereinstimmung mit dem Vertrag, der 1920 in Paris zwischen Polen und der Freien Stadt Danzig geschlossen worden war, 1925 die Polnische Post, die den Postdienst zwischen Polen und dem Ausland über den Danziger Hafen abwickeln sollte. In dem Keller der Post hatten die Polen aber heimlich und widerrechtlich ein umfangreiches Waffenlager angelegt, was darauf hindeutete, daß sie einen Aufstand planten oder mit einer kriegerischen Auseinandersetzung rechneten. In den Jahren der Freien Stadt Danzig kam es jedenfalls immer wieder zu Provokationen der Polen, die sich in den letzten Wochen vor Kriegsbeginn so steigerten, daß selbst die mit Polen verbündete englische Regierung sich genötigt sah, Polen vor den Folgen unbedachter Handlungen zu warnen. Zur selben Stunde, als am 1.September 1939 die ersten Schüsse auf der Westerplatte fielen, wurde auch die polnische Post von Danziger Deutschen (der Danziger Heimwehr) angegriffen. Der Kampf, den Günter Grass in seiner „Blechtrommel“ schildert, dauerte 14 Stunden. Ein Denkmal erinnert heute an diesen Kampf. Die 38 polnischen Postbeamten (übrigens durchweg keine Danziger, sondern sogenannte „Kongress-Polen“) wurden gefangen genommen und am 5. Oktober im Vorort Zaspa als „Partisanen“ erschossen (sie waren keine regulären Soldaten, sondern - im Sinne des Völkerrechts - Zivilisten, durften als solche also nicht kämpfen). Heute ist in dem wiederaufgebauten Gebäude ein kleines Museum. |
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Die Westerplatte
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Auf der Westerplatte legte Polen ein Munitionsdepot an, sicherte es durch ein Befestigungssystem von über 20 Bunkern und verstärkte seine „Wachmannschaft“ auf eine Garnison mit 182 Soldaten, was nach dem Versailler Vertrag keineswegs erlaubt war. Nach ihm durfte die Freie Stadt nicht als Militär- oder Marinebasis dienen, es durften keine Festungswerke oder Munitionsdepots errichtet werden. Um von Danzig unabhängig zu sein, hatte Polen inzwischen in dem ursprünglichen Fischerdorf Gdingen einen eigenen Hafen gebaut, mit dem es Danzigs Hafen heftige Konkurrenz machte. Deshalb bedurfte es der Enklave auf der Westerplatte eigentlich gar nicht mehr. Für Polen aber war Danzig nachgerade schon zum Prestigefall geworden. Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Um 4.45 Uhr eröffnete das Linienschiff »Schleswig-Holstein« das Feuer auf das polnische Munitionsdepot und die Besatzung der Westerplatte. Es zeigte sich bald, daß die Salven des deutsches Kriegsschiffes den Stützpunkt nicht zur Aufgabe würden zwingen können. Bodentruppen griffen zusätzlich ein, wurden aber von den polnischen Verteidigern zurückgewiesen. In den nächsten Tagen wurden die Versuche zur Eroberung verstärkt durch 15 cm-Haubitzen und 8,8 cm-Geschütze aus Weichselmünde sowie schweren MG's von Neufahrwasser. Noch am 4. September kann die Polnische Besatzung der Westerplatte dem deutschen Druck standhalten, obwohl seit der Morgendämmerung die deutschen Truppen versuchen, mit einer weiteren Verstärkung durch 21 cm-Haubitzen aus Ostpreußen den Widerstand zu brechen. Sieben Tage lang leisteten die 182 polnischen Soldaten der deutschen Übermacht erbitterten Widerstand. Am 7. September erlischt jedoch ihre letzte Widerstandskraft. Um 10:15 Uhr legen die Verteidiger der Westerplatte die Waffen nieder und ergeben sich der Übermacht. Diese mutige Leistung forderte selbst dem Sieger Respekt ab: Der deutsche General F. G. Eberhart reichte dem polnischen Kommandeur Major Henryk Sucharski nach dessen Kapitulation sein-en Säbel zurück.
1966 wurde auf derWesterplatte ein monumentales Denkmal zu Ehren der Verteidiger errichtet. Die Halbinsel ist am besten mit einem Ausflugsschiff, das im Sommer regelmäßig von Danzigs Anlegestelle am Grünen Tor abfährt, zu erreichen. |